Holly Win: Wie ein Weihnachtsprojekt der NMS Brüsslgasse Rechnen, Teamarbeit und Spenden verbindet

Die Idee: Ein Weihnachtsgewinnspiel mit klaren Regeln

Ausgangspunkt war ein Weihnachtsbasar mit Tombola, bei der jüngere Schüler:innen oft leer ausgingen. Die Klasse 4B der NMS Brüsslgasse entwickelte deshalb Holly Win: ein Spiel für sechs Teams, 24 Karten und drei Runden. Jede Runde erlaubt drei Würfe; Punkte gibt es für Stechpalmen, Glocken und Sterne. Der Name verbindet das englische „holly“ für Stechpalme mit „win“ für Gewinn. Die Regeln legen fest, dass niemand mehr als zwei Preise pro Runde erhalten kann. Dadurch bleibt der Basar fair, und die Schüler:innen lernen nebenbei, wie Wahrscheinlichkeiten und Verteilungsregeln zusammenhängen. Zusätzlich notiert jede Gruppe ihre Punkte auf einer eigenen Strichliste, sodass die Auswertung ohne Rechner möglich bleibt.

Die Entwicklung: Vom Regelentwurf zur Produktion

In zwölf Doppelstunden entstanden Spielbrett, Karten und Anleitung. Im Mathematikunterricht berechneten die Schüler:innen die Gewinnchancen, im Deutschunterricht schrieben sie die Spielanleitung, im Werkunterricht bauten sie sechs Holzplatten. Ein erster Test mit fünf Klassen zeigte ein Problem: Zu viele Wildcards machten das Spiel unübersichtlich. 18 von 22 Testspieler:innen fanden die erste Version unfair. Nach der Überarbeitung bewerteten 20 von 22 das Spiel als verständlich. Die Klasse produzierte 150 Spielpläne und legte eine Regelkarte bei, die auf das Glücksspielthema Medienkompetenz verweist. Jede Regeländerung wurde mit Datum und Testergebnis protokolliert, damit die Entscheidungen nachvollziehbar blieben.

Das Ergebnis: 310 Lose, 1.240 Euro und ein messbarer Lerneffekt

Beim Adventsmarkt verkaufte die Klasse 310 Lose zu je vier Euro. Nach Abzug von 120 Euro für Material blieben 1.240 Euro, die an die Wiener Tafel gingen. 40 Spielpläne blieben in der Schulbibliothek. Die Lehrkräfte beobachteten, dass die Schüler:innen Argumente für Regeländerungen präziser formulierten und Ergebnisse mit Tabellen prüften. Holly Win wurde so vom Basarspiel zu einem Projekt, das Mathematik, Sprache und soziales Handeln in einem konkreten Ablauf verbindet. Besonders häufig diskutierten die Teams die Frage, ob ein zusätzlicher Joker die Gewinnchancen gerechter oder nur spannender macht.

Warum Holly Win über den Advent hinaus wirkt

Die Klasse 4B dokumentierte jede Regeländerung und die dazugehörigen Testergebnisse. Dieses Protokoll nutzt die Schule inzwischen für weitere Projekte: Eine Gruppe entwickelte ein Frühlingsspiel nach demselben Muster, eine andere überarbeitete die Anleitung für jüngere Klassen. Wer ähnliche Vorhaben plant, findet Kontakt und Materialien über die https://nmsbruesslgasse.at/. Der Kern von Holly Win bleibt dabei unspektakulär: klare Regeln, ein Testdurchlauf und die Bereitschaft, ein Spiel nach messbaren Kriterien zu verbessern. Für die Schüler:innen war der wichtigste Effekt, dass sie ihre eigene Freude am Spiel mit Regeln begründen konnten, die auch für Außenstehende nachvollziehbar sind.